ThoBit

Thomas P. Bittner, Dipl.-Ing. Architekt, Berlin

Gaunerzinken

| Keine Kommentare

Gaunerzinken

sind Zeichen, die der geheimen Verständigung von Gaunern und Bettlern untereinander dienen. Sie werden an Haustüren hinterlassen, um den Kollegen der Innung zu signalisieren, was an dieser Tür zu erwarten ist. Da gibt es Zeichen für spendierfreudige, dumme Tölpel und geizige Choleriker. über Details berät sie ihre nächste Polizeiinspektion, der Stadtrat ihrer Wahl oder der örtliche Innungsmeister. Lassen Sie sich doch einfach das Zeichen verraten für: „Streitsüchtige alte Vettel mit Kampfhund- Geschwader und Verwandschaft im Polizei- Präsidium“. Dieses Stenogramm an Ihrer Haustür sorgt für Ruhe.

Geheimsprachen kennen Sie vielleicht aus Arbeitszeugnissen: „Herr Hundling hat sich ständig bemüht, den Anforderungen gerecht zu werden. Er zeigte für seine Beschäftigung viel Verständnis und war bei seinen Kollegen sehr beliebt. Er verfügt über ein gesundes Selbstvertrauen, und denkt stets kritisch mit. Herr Hundling scheidet in gegenseitigem Einvernehmen aus dem Arbeitsverhältnis aus; wir wünschen ihm auf seinem neuen Lebensweg viel Erfolg“. Das heißt, dass er sich unter äußerem Druck ab und zu bemüht hat, seinen Arbeitgeber zufriedenzustellen, aber es ist ihm nie gelungen. Er war arbeitsscheu und trinkfest und hat seine Kollegen von der Arbeit abgehalten. Sie haben ein Fest gefeiert, als er endlich die Kündigung eingereicht hat. Es müsste schon ein Wunder passieren, damit Herr Hundling noch auf einen grünen Zweig kommt. Die Formulierung „… hat sich stets kollegial gezeigt“ ist eine Umschreibung für soziale Unverträglichkeit.

Aber auch der schnöde Alltag beschert uns immer wieder verschlüsselte Botschaften. „Ja, ja“ heißt z. B. „ach lass mich doch mit deinem dummen Gequatsche endlich in Ruhe“.
Ein Beispiel aus der Kommunalpolitik: „Diese Idee ist äußerst interessant, Sie kommen damit gerade zur rechten Zeit, wir wissen, dass wir in dieser Richtung etwas tun müssen. Sie müssen mich unbedingt nochmal anrufen wegen dieser Geschichte“. Was heißt das? „Auwei, jetzt hatten wir diese Sache schon solange beiseite gelegt, dass sie fast in Vergessenheit geraten war, und jetzt kommt dieser Klugscheißer daher und wärmt das alles wieder auf“.

Noch ein Beispiel: „Dazu kann es jetzt noch keine Entscheidung geben, wir müssen das in der Fraktion beraten.“ Da weiß jemand nicht, wie er die Sache ablehnen soll, ohne sich zu blamieren. Er setzt auf Zeit. Vielleicht stirbt der Antragsteller im Laufe der äußerst gründlichen Beratungen.
Noch ein Fall aus der Praxis: „Bei uns rennen Sie mit Ihrer Idee offene Türen ein“, d. h. eigentlich: wir wissen, dass Sie recht haben, aber Ihr Vorschlag macht uns weder mächtiger noch reicher. Wir reißen alle Türen für sie auf, aber das gibt einen Durchzug, dass es Sie irgendwohin weht, wo Sie sich überhaupt nicht mehr auskennen.

Schreibe einen Kommentar

Pflichtfelder sind mit * markiert.