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Thomas P. Bittner, Dipl.-Ing. Architekt, Berlin

29. März 2010
von ThoBit
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Was ist Freude?

„Freude ist ein Leben voller Möglichkeiten“ (gesehen auf dem BMW X 1 beim Autohändler)

„Spontanität jeden Tag fest einplanen. Die kleinen Dinge des Lebens im großen Stil genießen. Regeln kennen, um sie im richtigen Moment zu brechen. Die Welt mal wieder mit anderen Augen sehen. Weitermachen, wenn man aufhören könnte. Aufhören, wenn alle anderen weitermachen. Umwege auf dem kürzesten Weg suchen. Freiheit mit allen Sinnen erfahren. Das ist der BMW X1. Ihr vielseitiger Partner in allen Lebenslagen. Nicht nur im Dschungel der Grossstadt.“ (Schweizer BMW-Händler)

Sinnfreie Wortketten zur Erzeugung emotionaler Irrtümer sind die Grundlage von Kaufentscheidungen?

5. Juni 2009
von ThoBit
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Über Banken, Autokonzerne, Volksparteien, Management und tote Pferde

Eine Weisheit der Dakota-Indianer sagt: wenn du entdeckst, dass du ein totes Pferd reitest, steig ab.
Wir versuchen andere Strategien:
1. Wir besorgen eine stärkere Peitsche.
2. Wir wechseln die Reiter.
3. Wir sagen: so haben wir das Pferd doch immer geritten.
4. Wir gründen einen Arbeitskreis, um das Pferd zu analysieren.
5. Wir besuchen andere Orte, um zu sehen, wie man dort tote Pferde reitet.
6. Wir erhöhen die Qualitätsstandards für den Beritt toter Pferde.
7. Wir bilden eine Task Force, um das tote Pferd wiederzubeleben.
8. Wir schieben eine Trainingseinheit ein, um besser reiten zu lernen.
9. Wir stellen vergleiche unterschiedlicher toter Pferde an.
10. Wir ändern die Kriterien, die besagen, dass ein Pferd tot ist.
11. Wir kaufen Leute von außerhalb ein, um das tote Pferd zu reiten.
12. Wir schirren mehrere tote Pferde zusammen an, damit sie schneller werden.
13. Wir erklären: kein Pferd kann so tot sein, dass man es nicht noch schlagen könnte.
14. Wir machen zusätzliche Mittel locker, um die Leistung des Pferdes zu erhöhen.
15. Wir machen eine Studie, um zu sehen, ob es billigere Berater gibt.
16. Wir kaufen etwas zu, das tote Pferde schneller laufen lässt.
17. Wir erklären, dass unser Pferd „besser, schneller und billiger“ tot ist.
18. Wir bilden einen Qualitätszirkel, um eine Verwendung für tote Pferde zu finden.
19. Wir überarbeiten die Leistungsbedingungen für Pferde.
20. Wir richten eine unabhängige Kostenstelle für tote Pferde ein.
21. Wer sagt, dass man tote Pferde nicht reiten kann?
22. Wir lassen das Pferd schnellstens zertifizieren.
23. Wir frieren das Pferd ein und warten auf eine neue Technik, die es uns ermöglicht, tote Pferde zu reiten.
24. Wir bilden einen Gebetskreis, der unser Pferd gesundbetet.
25. Wir stellen das tote Pferd bei jemand anderem in den Stall und behaupten, es sei seines.
26. Wir stellen fest, dass andere auch tote Pferde reiten, und erklären dies zum Normalzustand!
27. Wir ändern die Anforderung von „reiten“ in „bewegen“ und erteilen einen neuen Entwicklungsauftrag.
28. Wir sourcen das Pferd aus.
29. Wetten, dass das Vieh nur simuliert!
30. Wenn man das tote Pferd schon nicht reiten kann, dann kann es doch wenigstens eine Kutsche ziehen!

29. Mai 2009
von ThoBit
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Ist Fotografieren staatsgefährdend?

Künftig kann bestraft werden, wer ein Terrorcamp besucht oder Bombenanleitungen ins Netz stellt. Der Union geht das neue Gesetz immer noch nicht weit genug.

Die am Donnerstag im Bundestag verabschiedeten Strafrechtsänderungen haben es in sich: Wer Terror-Camps besucht und sich in krimineller oder gar terroristischer Absicht im Umgang mit Waffen und Sprengstoff unterweisen lässt, muss künftig mit bis zu zehn Jahren Haft rechnen.

Gegen den geschlossenen Widerstand der Opposition ergänzte der Bundestag das Strafgesetzbuch um Paragrafen, die die Vorbereitung „schwerer staatsgefährdender Gewalttaten“ unter Strafe stellen.

http://www.zeit.de/online/2009/23/terrorcamps-strafe-bombenbau

Vor einem Jahr bin ich in Traunstein (Oberbayern) von der Polizei einer besonderen Behandlung unterzogen worden, weil ich während eines Polizeieinsatzes fotografiert habe. Der Speicher der Digitalkamera wurde komplett gelöscht. Die Körperverletzungen infolge der polizeilichen Maßnahme sind dokumentiert. Die Polizei hatte sich durch mein Fotografieren gefährdet gesehen.

Feindbilder

Wenn unsere führenden Sicherheitsfanatiker so weitermachen, wird der Gebrauch einer Kamera vielleicht bald strafrechtliche Verfahren wegen Staatsgefährdung nach sich ziehen. Ein Foto-Kurs wird vielleicht als Terror-Camp kriminalisiert, besonders wenn ein Teilnehmer schon einmal erkennungsdienstlich behandelt oder in ein „böses“ Ausland gereist ist.

Das Recht muss nie der Politik, wohl aber die Politik jederzeit dem Recht angepasst werden (Immanuel Kant)

8. Mai 2009
von ThoBit
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Von Banken und Konzernen und vom Schröpfen

Manchmal helfen Blutegel (zool. Hirudo medicinalis), Menschen gesund zu machen (> Schröpfen). Ein normaler Blutegel hat ungefähr die Größe und Konsistenz einer Nacktschnecke und saugt bei einer Mahlzeit bis zum Fünffachen seines Körpergewichts an Blut. Nach Erreichen der Sättigung fällt der Blutegel von selbst von seinem Opfer ab. Misstrauisch sollte man gegenüber Blutegeln sein, welche größer als Möbelwagen sind..

25. November 2008
von ThoBit
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Superschnäppchen

Gerade lese ich, dass es im Supermarkt neue „Superschnäppchen“ gibt.

Das sind diese Dinger, welche, da sie nicht die volle Größe einer gewöhnlichen Schnappe (manche sagen auch DER Schnapp, das kann aber leicht mit einer hochprozentigen Geldanlage verwechselt werden), wie wir sie kennen, erreichen, liebevoll mit der Verkleinerungs- oder Verniedlichungsform bezeichnet werden.

„Super“, dieses Wortfragment, das uns zum Beispiel von dem Begriff „Supermacht“ vertraut ist, bedeutet, und das sehen wir durch den typischsten Vertreter dieser Gattung – den USA – bestätigt, „über“, Supermacht heißt Übermacht.

Superschnäppchen ist also das niedliche Überschnappen. Und das gibt es jetzt ganz billig im Übermarkt (super!). Und bald auch auf dem Weihnachtsmarkt.

Izmir Übel/r.

20. Mai 2008
von ThoBit
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Feindbilder

 

Traunsteiner Bahnhof am 17. Mai 2008

Feindbilder

oder

Erste Begegnung mit dem Rechts-Staat

Am 17. Mai 2008 bin ich in Traunstein unter Anwendung körperlicher Gewalt durch die Polizei zur Herausgabe meines Fotoapparats gezwungen worden.

Ich hatte vor einem Café beim Bahnhof gesessen und beobachtet, wie Polizisten eine Gruppe von Jugendlichen (einer mit dunkler Hautfarbe) angehalten und untersucht hat. Meinen Fotoapparat hatte ich gerade zur Hand und so habe ich spontan ein paar Bilder geschossen. Es kam ein Polizist auf mich zu, sagte, dass es verboten sei, Polizei-Einsätze zu fotografieren, dass er ein Recht am eigenen Bild habe und dass ich ihm die Kamera auszuhändigen habe. Ich habe das abgelehnt. Ich habe dem Polizisten gesagt, dass ich journalistisch tätig bin und dass er mich an der Ausübung meines Berufes hindert. Er nahm mir den Personalausweis ab und zog meine Kamera aus meiner Jackentasche. Ich wurde von mehreren Polizisten umringt, von meinem Caféhausstuhl gehoben, mir wurden die Arme auf den Rücken gedreht, die Handgelenke weit über die Schmerzgrenze hinaus umgeknickt, ich habe vor Schmerz geschrieen und ein Polizist drohte: „Ruhe jetzt oder es tut noch mehr weh – wir können auch anders“, ich wurde etwa 50 Meter weiter hinter den Bahnhof gezerrt, dort musste ich mich mit erhobenen Händen an eine Mauer lehnen, ein Polizist gab das Kommando: Füße weg, und mir wurden die Füße weggetreten, so dass ich zu Boden ging. Ich bin eine Zeit lang ohnmächtig gewesen, glaube ich, und habe dann gespürt, dass meine Hände hinter dem Rücken gefesselt waren. Man hat mich wieder auf die Füße gestellt und zu einer Gruppe von Polizeiwagen geführt. Später hat mir jemand erzählt, dass während ich auf dem Bahnsteig 1 „behandelt“ worden bin, die Polizei den Zugang zum Bahnsteig blockiert hat, wohl um Zeugen fern zu halten.

Nach einer Weile sinnlosen Herumstehens mit Gesicht zum Polizeiwagen wurden mir die Handschellen abgenommen. Mein Personalausweis war mir schon am Tisch vor dem Café abgenommen worden (um 13:40 Uhr laut „Bescheinigung über die Sicherstellung oder Beschlagnahme von Gegenständen“). Jetzt wurde mir ein Formblatt zur Unterschrift vorgelegt, auf dem die Einbehaltung meines Ausweises bestätigt wurde (ich hatte versäumt, die Gültigkeit verlängern zu lassen und mir wurde ein Ordnungswidrigkeiten-Verfahren und Bußgeld angekündigt). Ich habe verlangt, dass auch der Einbehalt meines Fotoapparats bestätigt wird. Es gab ein Pause, während der sich ein Polizist entfernt hat. Er kam mit anderen, auch zwei zivilen Polizisten zurück. Einer löschte alle Fotos von meiner Digitalkamera – (um 13:42 Uhr ist laut Protokoll auf der Speicherkarte der gesamte Dateninhalt meiner Fotospeicherkarte gelöscht worden – der Speicher ist „formatiert“ worden). Einer sagte, dass ich meine Kamera zurückbekomme und dass ich das Formular unterschreiben soll. Ich verlangte, dass die Löschung der Bilder auch dokumentiert werde und fragte die Polizisten nach ihren Namen, wurde aber nur ausgelacht. In das Formular-Feld für die „Kunden“-Unterschrift wurde eingetragen: „verweigert“, und ich bekam das Dokument ausgehändigt und meine Kamera. Ich durfte gehen. Das Ansinnen der Polizisten: „Auf Wiedersehen“ habe ich zurückgewiesen. Zuvor hatte einer der Polizisten auf meine Frage, wem oder welcher Sache sie eigentlich dienen und ob diese Behandlung rechtsstaatlich sei, geantwortet: „Auf Leute wie sie können wir hier gern verzichten“.

Da die geschilderte Misshandlung geschah, nachdem und obwohl die Beamten mir bereits den Ausweis und die Kamera abgenommen hatten, kann ich nur die Schlussfolgerung ziehen, dass diese Sonderbehandlung allein das Ziel hatte, mir klarzumachen, dass Leute wie ich an diesem Ort unerwünscht sind. Wer oder was Leute wie ich sind, wird mir hoffentlich bald der Innenminister erklären.

Mittlerweile hatten sich vielleicht um die Hundert Leute in der Bahnhofstraße versammelt. Einige Redner erinnerten an die Tötung von Kriegsgefangenen in Traunstein, an den Nationalsozialismus, waren gegen Gewalt und Fremdenfeindlichkeit. Einige forderten ein Verbot der NPD, andere waren dagegen. Ein CSU-Politiker redete und stimmte die Menge fröhlich mit der Bemerkung: „…und rechts von mir steht die Junge Union…“. Redner bedankten sich für den störungsfreien Ablauf der Veranstaltung bei der Polizei. Zwei Polizisten in normaler Uniform (die anderen waren in Kampfanzügen und kamen aus Weilheim), hinter mir stehend in Hörweite, wurden von einem dazukommenden Dritten in ziviler Kleidung, er hat sich den Beamten mit dem Namen Kohnhauser (oder ähnlich) vorgestellt, gefragt, ob alles in Ordnung gewesen sei. Die Antwort der Beamten: es gab keine besonderen Vorkommnisse, alles sei ganz ruhig verlaufen.

Das „Traunsteiner Tagblatt“ hat über Demonstration, Polizeieinsatz und neun Festnahmen berichtet, aber nicht über meine Sonderbehandlung. Auf Nachfrage hat der Chefredakteur mir gesagt, dass sie das gedruckt haben, was im Polizeibericht steht.

Der Pressesprecher der Polizei hat mir die Auskunft erteilt, dass sie beschlossen haben, über meinen Fall nichts in der Zeitung lesen zu wollen, auch sei ich ja garnicht „festgenommen“ worden, sondern nur überprüft, was keiner Erwähnung in der Presse bedarf.

Thomas P. Bittner

Leserbrief

(Das Traunsteiner Tagblatt will diesen Brief nicht drucken)

20.05.2008
An das Traunsteiner Tagblatt
Redaktion
Marienstraße 12
83278 Traunstein

Ihr Bericht am 19. Mai 2008:
„Polizei verhindert Konfrontation von Neonazis und Autonomen“

Sehr geehrte Damen und Herren,

in dem Bericht des Traunsteiner Tagblatts über den Polizei-Einsatz am 17. Mai 2008 vermisse ich etwas, das man in der Südostbayerischen Rundschau lesen konnte – ich zitiere:

„Auch ein Mann aus Traunstein bekam das heftige Durchgreifen der Beamten zu spüren. Von einem Café am Bahnhofsplatz aus habe er fotografiert, wie einige Beamte bei einer Gruppe Jugendlicher eine Leibesvisitation vornahmen, sagte der gegenüber der Redaktion. Als ihn wenig später ein Polizist aufgefordert habe, die Kamera herauszugeben, habe er sich gegen dieses Fotografierverbot gewehrt. „Dann kam Verstärkung, hat mich vom Sitz gerissen und mir schmerzhaft die Hände auf den Rücken gedreht“, so der Mann. Vergeblich habe er um Hilfe geschrien – „wer hilft dir auch schon gegen die Polizei?“ sagt er.
Anschließend sei er auf einen abgesperrten Bahnsteig geführt und zur Untersuchung an eine Betonwand gestellt worden. Ihm seien die Füße weggeschlagen worden, so dass er auf den Asphalt gefallen sei. „Ich war wohl kurz ohnmächtig und als ich wieder zu mir kam, merkte ich, dass ich an den Händen gefesselt war“, erzählt er. Dann wurde der Traunsteiner zum Verhör zu einem Polizeifahrzeug geführt. Ein Beamter habe schließlich die Bilder gelöscht, ehe der Mann seine Digitalkamera zurück erhielt. „Die Abschürfungen von den Handschellen sieht man immer noch“, schilderte der Traunsteiner am Sonntagvormittag. Bei der Polizei hieß es zu diesem Vorfall, dass es einen Maßnahmenkatalog gebe, wenn Bürger eine Amtshandlung stören. Gerade bei solchen Veranstaltungen wie am Samstag käme dieser Maßnahmenkatalog auch zum Einsatz. In wie weit durch das Fotografieren des Mannes eine Störung vorliege, hänge jedoch vom Einzelfall ab. Dem Betroffenen stehe frei, eine Beschwerde vorzubringen – von neutraler Stelle würden dann beide Seiten zu dem Vorfall gehört.“

Anmerkungen:
Der Mann war Samstag und Montag in ärztlicher Behandlung, die Körperverletzungen – Abschürfungen und Blutergüsse – sind dokumentiert, der Mann ist arbeitsunfähig.

Von der Redaktion Ihrer Zeitung wurde mir gesagt, dass Sie nur schreiben können, was im Polizeibericht steht und bei der Polizei sagte man mir, dass diese den Vorfall mit dem Fotografen nicht in der Zeitung habe lesen wollen. Sie schreiben allerdings – ich zitiere aus Ihrem Bericht vom 19. Mai: „CSU-Landtagskandidat Klaus Steiner erklärte… der jungen Generation müssten die Schrecken der Nazi-Herrschaft vermittelt werden… Ausdrücklich lobte Steiner das Vorgehen der Polizei, deren Anwesenheit ein Ausdruck des Rechtsstaates sei…“

Ob Sie beim Traunsteiner Tagblatt wohl nachempfinden können, warum ich mir Sorgen um unsere Zukunft mache? Ein positives Signal wäre, wenn Sie diesen Leserbrief abdruckten.

Mit freundlichen Grüßen

Thomas P. Bittner

Zur Erinnerung

(Zitate aus dem Grundgesetz für die Bundesrepublik Deutschland und der Bayerischen Verfassung)

Artikel 1 GG: Die Würde des Menschen ist unantastbar. Sie zu achten und zu schützen ist Verpflichtung aller staatlichen Gewalt.

Artikel 5 GG: Jeder hat das Recht, seine Meinung in Wort, Schrift und Bild frei zu äußern und zu verbreiten und sich aus allgemein zugänglichen Quellen ungehindert zu unterrichten. Die Pressefreiheit und die Freiheit der Berichterstattung durch Rundfunk und Film werden gewährleistet. Eine Zensur findet nicht statt.

Artikel 111 der bayerischen Verfassung – Pressefreiheit:

(1)Die Presse* hat die Aufgabe, im Dienste des demokratischen Gedankens über Vorgänge, Zustände und Einrichtungen und Persönlichkeiten des öffentlichen Lebens wahrheitsgemäß zu berichten.

(2) Vorzensur ist verboten. Gegen polizeiliche Verfügungen, welche die Pressefreiheit berühren, kann gerichtliche Entscheidung verlangt werden.

>Artikel 48 der bayerischen Verfassung – Notstandsrecht:
(1) Die Staatsregierung kann bei drohender Gefährdung der öffentlichen Sicherheit und Ordnung das Recht der öffentlichen freien Meinungsäußerung (Artikel 110), die Pressefreiheit (Artikel 111), das Brief-, Post-, Telegraphen- und Fernsprechgeheimnis (Artikel 112) und die Versammlungsfreiheit (Artikel 113) zunächst auf die Dauer einer Woche einschränken oder aufheben.
(2) Sie hat gleichzeitig die Einberufung des Landtags zu veranlassen, ihn von allen getroffenen Maßnahmen unverzüglich zu verständigen und diese auf Verlangen des Landtags ganz oder teilweise aufzuheben. Bestätigt der Landtag mit der Mehrheit seiner gesetzlichen Mitgliederzahl die getroffenen Maßnahmen, so wird ihre Geltung um einen Monat verlängert.
(3) Gegen die getroffenen Maßnahmen ist außerdem Beschwerde zum Bayerischen Verfassungsgerichtshof zulässig; dieser hat innerhalb einer Woche wenigstens eine vorläufige Entscheidung zu treffen.

(* Anmerkung des Verfassers:
Tatsache ist, dass der Polizist im Einsatz entscheidet, wer „Die Presse“ ist und wer nicht. Die Innenminister-Konferenz hat entschieden, welche Presseausweise anerkannt werden.
Die Pressefreiheit gilt in Deutschland daher tatsächlich nur für hauptberuflich tätige Journalisten, die vom Verband Deutscher Zeitschriftenverleger, dem Bundesverband Deutscher Zeitschriftenverleger, dem Deutschen Journalisten-Verband, der Gewerkschaft ver.di oder (evtl./umstritten) FreeLense durch Presseausweis legitimiert sind. Die Pressefreiheit gilt also nicht – wie der Verfasser am eigenen Körper zu spüren bekommen hat -, für den nebenberuflichen Buchautor.)

Bayerns Verfassung

(Anmerkungen, 1995)

Bayerische Verfassung

(Gesamtausgabe vom Bayerischen Landtag)

23. April 2002
von ThoBit
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Arbeitslosengeld und Sozialhilfe zusammenführen?

Von der FDP hörte man heute, dass sie Arbeitslosengeld und Sozialhilfe zusammenführen will.

Also: wer arbeitslos wird, bekommt Sozialhilfe, kein Arbeitslosengeld.

Vielleicht eine gute Idee, denn damit verlässt man das Versicherungsprinzip. Bisher zahlt man ja Beiträge in eine Versicherung, um im Schadensfall etwas heraus zu bekommen. In Zukunft zahlt keine Versicherung bei Arbeitslosigkeit. Also muss man auch keine Versicherungsbeiträge mehr zahlen. Das sind 6,5 % von dem, was der Beschäftigte erarbeitet.

Wer das regelmäßig spart, der hat bei 5 % Verzinsung nach 10 Jahren schon 11 Monatsgehälter Guthaben.

Bei 3.000 €  brutto im Monat kommen in 45 Jahren 415.000 €  zusammen, das sind 12 JAHRES-Gehälter. Bei durchschnittlich 2 % Gehaltserhöhung pro Jahr für den Inflationsausgleich stehen schon 570.000 €  oder 16 Jahresgehälter zur Verfügung. Dieser Kapitalstock allein würde schon für ein sorgloses Leben im Alter ausreichen, nicht nur für die Überbrückung der Arbeitslosigkeit. Die Rente kommt noch dazu.

Aber was ist mit denen, die bereits in die Arbeitslosenversicherung eingezahlt haben? Soll deren Versicherungsschutz bestehen bleiben oder bekommen sie ihre verzinsten Einlagen ausbezahlt?

Ob die FDP schon über die Zusammenlegung von Sozialhilfe und Sterbehilfe nachdenkt?

28. Februar 2002
von ThoBit
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Tempo 30 in der Innenstadt

Tempo 30 in der Innenstadt von Traunstein

Ein Beitrag von Dipl.-Ing. Thomas P. Bittner zum Arbeitskreis Verkehr und Mobilität in Rahmen der städtischen Agenda 21

Problemstellung

Durchschnittlich eine halbe Million Menschen pro Jahr kommen in Deutschland bei Verkehrsunfällen zu Schaden. Wie das Statistische Bundesamt in Wiesbaden am 21. Februar 2001 unter Berufung auf vorläufige Berechnungen mitteilte, wurden bei Verkehrsunfällen im Jahr 2000 insgesamt 504.000 Menschen verletzt und 7487 Menschen getötet. Jährlich sterben in Deutschland etwa 400 Kinder durch Verkehrsunfälle, circa 50.000 werden im Straßenverkehr verletzt. Der Autoverkehr ist überhaupt die häufigste Todesursache bei Kindern bis 14 Jahren. Drei Viertel der Kinder verunglücken innerhalb von Ortschaften.

Die Wahrscheinlichkeit für jeden Menschen in Deutschland, einmal im Leben bei einem Verkehrsunfall verletzt zu werden, liegt bei fast 50 Prozent.

Ein Großteil der Unfälle kann vermieden werden, wenn die zulässige Höchstgeschwindigkeit innerorts auf 30 km/h begrenzt wird.

Für Fußgänger ist es oft entscheidend über Leben und Tod, ob das Unfallfahrzeug Tempo 50 oder 30 fuhr. Wenn ein Fußgänger 15 Meter vor einem Auto auf die Fahrbahn läuft, kann ein Autofahrer, der 30 km/h schnell fährt, noch rechtzeitig anhalten. Fährt das Auto 50 km/h, dann hat es einen Anhalteweg von über 25 Metern. Nach 15 Metern beträgt die Aufprallgeschwindigkeit immer noch 45 km/h. Ein Fußgänger würde getötet oder schwer verletzt.

Bei der derzeit erlaubten Höchstgeschwindigkeit im Ortsgebiet kann ein falscher Schritt eines Fußgängers mit nahezu 50 prozentiger Wahrscheinlichkeit die „Todesstrafe“ nach sich ziehen, denn: Wenn bei Tempo 30 jemand vors Auto läuft, liegt das Sterberisiko bei unter zwanzig Prozent, bei Tempo 50 steigt es auf mehr als 40 Prozent, und bei Tempo 70 liegt es bei 90 Prozent.

Vor allem Interessensvertreter der Autoindustrie verweisen gerne darauf, dass die Zahl der im Straßenverkehr verletzten und getöteten Kinder zurückgeht. Solche Unfallziffern können aber nur unter Berücksichtigung der Teilnahme von Kindern am Verkehr beurteilt werden. Eine Untersuchung aus Großbritannien vermittelt einen Eindruck, in welche Richtung sich die Verkehrsteilnahme von Kindern entwickelt: Im Zeitraum von 1971 bis 1990 ist der Anteil der Sieben- bis Achtjährigen, die alleine zur Schule kommen, von 80 % auf 9 % gesunken. Dass die Zahl der getöteten Kinder im selben Zeitraum um insgesamt 50 % zurückgegangen ist, kann vor diesem Hintergrund schwerlich als Zunahme der Verkehrssicherheit gedeutet werden. Im Gegenteil: Gemessen an der Verkehrsbeteiligung nimmt das Unfallrisiko von Kindern ständig zu.

Zielsetzung

Die Gefährdung von nicht motorisierten Verkehrsteilnehmern, insbesondere Kindern, in Traunstein soll verringert werden, und zwar durch Geschwindigkeitsbegrenzungen der folgenden Art:

A. Ausweisung einer Tempo-30-Zone zwischen Rosenheimer Straße, Herzog-Friedrich-Straße und Max-Platz mit Einbeziehung der Maximilianstraße und der Ludwigstraße (kleine Lösung).

B. Alternativ Ausweisung einer Tempo-30-Zone zwischen Rosenheimer Straße mit Salinenstraße, Herzog-Friedrich-Straße und den Traun-Brücken (mittlere Lösung).

C. Alternativ Ausweisung einer Tempo-30-Zone für das Stadtgebiet Traunstein mit Ausnahme der Bundesstraße 304 und der Chiemseestraße (gute Lösung).

Kurzbeschreibung

Die Erfahrung aus Tempo-30-Zonen zeigt:
– Die Zahl der Unfälle sinkt um mehr als 20%
– Die Zahl der Schwerverletzten und Getöteten nimmt noch deutlicher ab. (fairkehr spezial 1997: Kinder im Verkehr)

In Tempo-30-Zonen sinkt die Zahl der Unfälle um rund 20 Prozent. Der Rückgang bei schweren Unfällen ist noch deutlicher. So sank in Hamburg die Zahl der Schwerverletzten um 37 Prozent, in Münster sogar um 72 Prozent. Der Grund: Je langsamer ein Auto fährt, desto kürzer der Reaktions- und Bremsweg:
– Bei 50km/h beträgt der Reaktions- und Bremsweg fast 28 Meter.
– Bei Tempo 30 steht ein Auto schon nach 13,3 Metern.

Neben Kindern sind besonders Senioren und Behinderte bei Tempo 30 wesentlich sicherer. Das überqueren einer Straße ist dann auch ohne Sprint möglich.

Tempo 30 sorgt für einen gleichmäßigeren Verkehrsfluss. Der erforderliche Sicherheitsabstand verringert sich und die Kapazitäten der Straßen nehmen zu. Stau entsteht vor allem durch ungleichmässige Geschwindigkeiten.

Fahrzeuglenker müssen in Ortschaften grundsätzlich mit verkehrsberuhigenden Regelungen rechnen. Es reicht aus, an den Ortstafeln oder den Einfahrten in einen verkehrsberuhigten Bereich Tempo-30-Schilder aufzustellen.

Sicherheit muss uns in Städten und Orten wichtiger sein als Schnelligkeit. Die meisten Strecken innerorts sind nicht länger als fünf Kilometer. Auf dieser Distanz bringen 50km/h allenfalls ein, zwei Minuten Zeitgewinn.

Ökologischer Nutzen

In Tempo-30-Zonen nimmt die Lärmbelastung um bis zu 7 dB und durchschnittlich 3 dB(A) ab (Umweltbundesamt). Eine Lärmminderung um 3 dB(A) nimmt das menschliche Ohr wie eine Halbierung der Verkehrsmenge wahr. Laut Immissionsschutzbericht der Bundesregierung fühlen sich rund 70% der Bevölkerung durch den Straßenverkehrslärm belästigt. Auch Kinder leiden verstärkt unter dem Verkehrslärm. Sie reagieren darauf mit Konzentrationsstörungen und Nervosität. Bei Männern im mittleren Alter steigt das Herzinfarktrisiko erheblich (Deutscher Arbeitsring zur Lärmbekämpfung – DAL).

Das Umweltbundesamt ermittelte Schadstoffemissionen in einem Vorher-Nachher-Vergleich (zulässige Höchstgeschwindigkeit vorher 50 km/h, nachher 30 km/h):
– Stickoxide: -14 bis – 33%
– Kohlenwasserstoffe: +4 bis -8%
– Kohlenmonoxid: +3 bis -20%
– Die ungünstigen Werte sind auf eine ungleichmäßige Fahrweise zurückzuführen, die in Tempo-30-Zonen oft das Ergebnis aufwendiger Baumaßnahmen ist (viele Beschleunigungs- und Bremsvorgänge)

Ökonomischer Nutzen

Einsparung von Unfallkosten, insbesondere bei Personenschäden. Entlastung der Krankenkassen, Unfallversicherungen, Rettungsdienste, weniger Krankenhausplätze sind erforderlich, weniger Bergungs- und Rettungsfahrzeuge der Feuerwehr und sonstiger Nothelfer, weniger Kosten für Retter, Sanitäter und deren Gerät und Behausung.
– Geringere Geschwindigkeit spart Treibstoff.
– Weniger Unfälle führen zur Senkung der Versicherungsbeiträge, das eingesparte Geld können die Autofahrer in der Stadt ausgeben.
– Weniger Unfallopfer sterben oder werden arbeitsunfähig, bevor sie durch eigene Arbeitskraft die Kosten für Ausbildung und Unterhalt erwirtschaftet haben.
– Die Kosten für Radwege entfallen in Tempo-30-Zonen, weil keine Geschwindigkeitdifferenz zu den Kraftfahrzeugen besteht.
– Der geringere Flächenbedarf für den Kfz-Verkehr, mehr Platz für Fußgänger und die Verbesserung der Luftqualität machen das Einkaufen und den Aufenthalt in der Stadt angenehmer. Das und kann zu Umsatzsteigerungen führen.

Gesellschaftlicher Nutzen

Je schneller die Autos fahren, desto mehr Sicherheitsabstand ist nötig und desto breiter muss die Fahrbahn sein. Bei Tempo 30 dagegen kann die Fahrbahn schmal sein, es bleibt mehr Platz für Fußgänger und spielende Kinder. Bürger gehen in der „wohnlichen“ Stadt wieder gerne zu Fuß, fördern damit das öffentliche Leben, beleben das Stadtbild und lassen ihr Auto öfter stehen.

Je langsamer und gleichmäßiger der Verkehr fließt, desto sicherer sind Radfahrer unterwegs. Sie können im Verkehr mitschwimmen und sind nicht mehr auf eigene, oft unsichere Radwege angewiesen. Bei einem Unfall gilt dasselbe wie für Fußgänger: Bei Tempo 30 ist das Verletzungsrisiko wesentlich geringer. Und: Radler kommen zügiger voran.

Das Verletzungs- und Sterberisiko ist bei Tempo 30 halb so hoch wie bei Tempo 50.

Die Hamburger Unfallstatistik belegt, dass nach Einführung von 263 Tempo-30-Zonen die Unfallgefahr gesunken ist:
– Verletzte insgesamt: -27%
– Leichtverletzte: -26%
– Schwerverletzte: -31%
– tödliche Unfälle: -90%

Fußgänger- und Radverkehr nehmen zu, weil angenehmer und sicherer. Das fördert die Volksgesundheit und senkt die Krankheitskosten.

notwendige Schritte

Beschilderungen am Beginn der Tempo-30-Zonen

geschätzte Gesamtkosten

A. (kleine Lösung) ca. 10.000 Euro (abzüglich eingesparte Kosten für Radwege)
B. (mittlere Lösung) ca. 15.000 Euro (abzüglich eingesparte Kosten für Radwege)
C. (gute Lösung) ca. 20.000 Euro (abzüglich eingesparte Kosten für Radwege)

4. Januar 2001
von ThoBit
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Recht auf Faulheit

Es gibt kein Recht auf Faulheit, hat mal ein Kanzler gesagt.

Die Fleißigen genießen das höchste Ansehen in diesem Staate. Die Fleißigen sollen uns allen ein Vorbild sein. Den Fleißigen erkennt man an dem was er vermag, an seinem Vermögen also. Die Fleißigsten sind also die mit dem größten Vermögen. Also die, die nicht arbeiten müssen, um gut zu leben. Die von den Zinsen leben. Von der Arbeit der anderen.

Es gibt Dumme und es gibt Reiche. Die Dummen leben von ihrer Arbeit und die Reichen leben von den Dummen. Es gibt kein Recht auf Dummheit. Und wirklich faulsein kann man nur bei völliger Untätigkeit.

9. Mai 1998
von ThoBit
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Gaunerzinken

Gaunerzinken

sind Zeichen, die der geheimen Verständigung von Gaunern und Bettlern untereinander dienen. Sie werden an Haustüren hinterlassen, um den Kollegen der Innung zu signalisieren, was an dieser Tür zu erwarten ist. Da gibt es Zeichen für spendierfreudige, dumme Tölpel und geizige Choleriker. über Details berät sie ihre nächste Polizeiinspektion, der Stadtrat ihrer Wahl oder der örtliche Innungsmeister. Lassen Sie sich doch einfach das Zeichen verraten für: „Streitsüchtige alte Vettel mit Kampfhund- Geschwader und Verwandschaft im Polizei- Präsidium“. Dieses Stenogramm an Ihrer Haustür sorgt für Ruhe.

Geheimsprachen kennen Sie vielleicht aus Arbeitszeugnissen: „Herr Hundling hat sich ständig bemüht, den Anforderungen gerecht zu werden. Er zeigte für seine Beschäftigung viel Verständnis und war bei seinen Kollegen sehr beliebt. Er verfügt über ein gesundes Selbstvertrauen, und denkt stets kritisch mit. Herr Hundling scheidet in gegenseitigem Einvernehmen aus dem Arbeitsverhältnis aus; wir wünschen ihm auf seinem neuen Lebensweg viel Erfolg“. Das heißt, dass er sich unter äußerem Druck ab und zu bemüht hat, seinen Arbeitgeber zufriedenzustellen, aber es ist ihm nie gelungen. Er war arbeitsscheu und trinkfest und hat seine Kollegen von der Arbeit abgehalten. Sie haben ein Fest gefeiert, als er endlich die Kündigung eingereicht hat. Es müsste schon ein Wunder passieren, damit Herr Hundling noch auf einen grünen Zweig kommt. Die Formulierung „… hat sich stets kollegial gezeigt“ ist eine Umschreibung für soziale Unverträglichkeit.

Aber auch der schnöde Alltag beschert uns immer wieder verschlüsselte Botschaften. „Ja, ja“ heißt z. B. „ach lass mich doch mit deinem dummen Gequatsche endlich in Ruhe“.
Ein Beispiel aus der Kommunalpolitik: „Diese Idee ist äußerst interessant, Sie kommen damit gerade zur rechten Zeit, wir wissen, dass wir in dieser Richtung etwas tun müssen. Sie müssen mich unbedingt nochmal anrufen wegen dieser Geschichte“. Was heißt das? „Auwei, jetzt hatten wir diese Sache schon solange beiseite gelegt, dass sie fast in Vergessenheit geraten war, und jetzt kommt dieser Klugscheißer daher und wärmt das alles wieder auf“.

Noch ein Beispiel: „Dazu kann es jetzt noch keine Entscheidung geben, wir müssen das in der Fraktion beraten.“ Da weiß jemand nicht, wie er die Sache ablehnen soll, ohne sich zu blamieren. Er setzt auf Zeit. Vielleicht stirbt der Antragsteller im Laufe der äußerst gründlichen Beratungen.
Noch ein Fall aus der Praxis: „Bei uns rennen Sie mit Ihrer Idee offene Türen ein“, d. h. eigentlich: wir wissen, dass Sie recht haben, aber Ihr Vorschlag macht uns weder mächtiger noch reicher. Wir reißen alle Türen für sie auf, aber das gibt einen Durchzug, dass es Sie irgendwohin weht, wo Sie sich überhaupt nicht mehr auskennen.